Von Schülern für Schüler – Gegen das Vergessen

Barth – Anlässlich des Gedenktages an die Opfer des Nationalsozialismus am 27.01.2026 fand in Barth eine Gedenkveranstaltung statt, die ganz im Zeichen der Reflexion und der Verantwortung für die Zukunft stand. Organisiert wurde diese in Kooperation zwischen dem DOK-Verein Barth und dem gymnasialen Schulzentrum Barth. Zu den Gästen zählten vor allem Schülerinnen und Schüler des gymnasialen Schulzentrums, begleitet von Lehrkräften. Teilnehmer der Veranstaltung waren auch der Landrat, Dr. Stefan Kerth, der Stadtpräsident Andi Wallis und der Bürgermeister Friedrich-Carl Hellwig.

Die Jugendlichen standen im Mittelpunkt der Veranstaltung und formten das Programm auf ihre ganz eigene Weise. Nach der Eröffnung durch Christiane Schuldt und eindrucksvollen Worten des Landrats äußerte eine Schülerin in Form einer Rede ihre Gedanken zu diesem Tag und sprach darin ihre Sorgen für die Zukunft aus, welche sie mit einem klaren Appell abrundete, der vor allem den Jugendlichen vor Augen führte, dass es ihre Verantwortung ist, die Zukunft zu formen. Darauffolgend berichteten Schülerinnen und Schüler, wie sie über diesen historischen Tag denken. Eine Gruppe von Schülern präsentierte den Anwesenden ihre Erfahrungen von einer unternommenen Studienfahrt zur Gedenkstätte Auschwitz. In persönlichen Worten schilderten sie ihre Erlebnisse und ihre Eindrücke von dem historischen Ort, der wie kaum ein anderer für die systematische Vernichtung von Millionen Verfolgter durch das nationalsozialistische Regime steht. Ihre Berichte reflektierten, wie die Konfrontation mit den Spuren des Holocausts auf sie gewirkt hat, und vermittelten allen Zuhörern ihren emotionalen Standpunkt.

Ergänzt wurden diese Berichte durch literarische sowie musikalische Beiträge. Die Jugendlichen rezitierten die Gedichte „O die Schornsteine“ von Nelly Sachs und „Sch’ma“ von Primo Levi, zwei eindrucksvolle Stücke, die der Veranstaltung literarische Tiefe und zugleich eine persönliche, universelle Dimension verliehen. Musikalisch wurde die Veranstaltung durch Harfenmelodien und Klavierstücke begleitet. Zudem sang der Schülerchor zwei Stücke, darunter „Die Moorsoldaten“ und „Die Gedanken sind frei“, die durch ihre Texte die NS-Zeit reflektieren. Die Musik schuf einen würdigen Rahmen und unterstrich die Atmosphäre des gemeinsamen Innehaltens.

Angesichts zunehmender zeitlicher Distanz und schwindender Zeitzeugen kommt der aktiven Erinnerungskultur junger Generationen eine besondere Bedeutung zu. Die Veranstaltung machte deutlich, dass Erinnerung auch den jungen Generationen am Herzen liegt und eine Aufgabe für Gegenwart und Zukunft darstellt. Das Engagement der Schülerinnen und Schüler zeigte, wie wichtig es ist, Geschichte lebendig zu halten und gegen das Vergessen aufzutreten, um in eine gerechtere, friedliche Zukunft schauen zu können.

Stella Menge

Oberstufenschülerin des gymnasialen Schulzentrums Barth

Barther Boddenblick Ausgae 3/2026 Nichtamtlicher Teil

Ehrenbürgerwürde für Helga Radau – Wir gratulieren von Herzen

Anlässlich des 770-jährigen Stadtjubiläums wurde Helga Radau die Ehrenbürgerwürde der Stadt Barth verliehen; eine Auszeichnung, die aus unserer Sicht kaum verdienter sein könnte.

Mit großem Engagement hat Helga Radau über viele Jahre hinweg zur Aufarbeitung und Vermittlung der Geschichte des KZ-Außenlagers Barth und des Kriegsgefangenenlagers Stalag Luft I beigetragen. Ihre Veröffentlichungen, ihre beharrliche Recherche und ihr Einsatz für die Erinnerungskultur haben die historische Bildungsarbeit in unserer Stadt maßgeblich geprägt.

Wir freuen uns mit Helga Radau über diese besondere Anerkennung und danken ihr für ihr langjähriges Wirken

´Gedenkveranstaltung zum 9. Mai

Im Rahmen einer Gedenkveranstaltung zum 80. Jahrestags der Befreiung des Konzentrationslagers Barth und des Kriegsgefangenenlagers Stalag Luft I führt die DOK-Barth mit Unterstützung der Stadt Barth am 9. Mai eine internationale Konferenz mit einem interessanten Programm statt.

As part of a commemorative event marking the 80th anniversary of the liberation of Barth concentration camp and the prisoner of war camp Stalag Luft I, DOK-Barth, with the support of the city of Barth, is holding an international conference with an interesting program on 9 May.

Die meisten der mehr als 150 Teilnehmenden, viele davon aus dem europäischen Ausland und aus Übersee sind Nachfahren von ehemaligen Kriegsgefangenen und KZ-Häftlingen aus den Barther Lagern während des zweiten Weltkriegs.

Most of the more than 150 participants, many of them from European countries and overseas, are descendants of former prisoners of war and concentration camp slaves from the camps in Barth during the Second World War.

Eine Aufzeichnung der Veranstaltung finden Sie hier:

https://www.youtube.com/watch?v=URkjCCxtZCE (deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=LtoUGdlJLZs (english).

Besuch Barbara Jane Hannon in der DOK am 24.10.2023

Barbara, eine ältere Dame aus Iowa kam unangemeldet in die DOK und wurde von der Kollegin vom Empfang in die Ausstellung geführt. Ähnlich wie Tom Dolan kam sie auf gut Glück nach Barth und wusste zuvor nichts über die DOK und die Gedenkstätten. Zufällig kam auch ich kurz darauf in die DOK und traf sie dort an, wie sie sehr bewegt durch die Ausstellung ging. Ich bot ihr eine Führung an, während der sie mir erzählte, dass ihr Vater, Lt. Georg Hannon, Navigator in einem B17 Bomber war und am 11. Januar 1944 bei Aschersleben nach Beschuss deutscher Jäger aussteigen musste. Er kam dann über das DuLag in Oberusel nach Barth.

Nach einer Führung durch die DOK und zur Gedenkstätte des Stalag und zum Flugplatz überreichte sie mir ihr Buch, Letters from World War II, dass sie auch signierte. Es handelt von ihren Eltern. Sie hatte es gerade erfolgreich auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt. Es enthält sehr viel Informationen über Georgs Zeit bei der USAAF und im Stalag. Besonders interessant sind die vielen Kopien von Originaldokumenten, die ihr Vater mit nach Hause gebracht hatte. Einiges war mir bislang nicht bekannt, z.B. dass Briefe von Angehörigen grundsätzlich über Stalag Luft III (Sagan) nach Barth kamen, während die Pakete direkt ins Stalag Luft I geleifert wurden.

Set against the backdrop of a world at war, “Letters from World War II” is a gripping tale that weaves together the experiences of Hannon’s parents with the historical events that shaped their destinies. At the heart of the story is the incredible bond between a courageous Navigator, Hannon’s father, who fearlessly took to the skies on daring bombing missions over Germany, and a resilient mother, whose unwavering support and love sustained him from afar.

The narrative takes an exhilarating turn when fate intervenes, and the Navigator is shot down, becoming a Prisoner of War in the hands of the Germans. Through the letters they exchanged, a vivid and intimate account of their emotions, struggles, and hopes emerges, painting a vivid portrait of the challenges faced by the couple and an entire generation caught in the throes of global conflict.

“Letters from World War II” is a window into a world marked by sacrifice, courage, and an unbreakable spirit. From a treasure trove of authentic letters, historical war telegrams, and meticulously preserved documents, Hannon’s work is a testament to the power of love, resilience, and the unyielding human spirit. (https://www.webwire.com/ViewPressRel.asp?aId=311268)

12. Oktober 2023: Teilnahme Dieter Boedeker als Vertreter der DOK an einer Gedenksteinenthüllung in Osterby zur Erinnerung an die dortige Bruchlandung eines B-17 Bombers vor 79 Jahren im Zweiten Weltkrieg

Vorgeschichte

Am 8. September 2023 besuchte Herr Thorsten Schulz die DOK und traf sich dort mit Dieter Boedeker, der ihn durch die Ausstellung und zu den Gedenkstätten in Barth führte. Herr Schulz beschäftigt sich seit einiger Zeit mit der Bruchlandung  der „American Maid“, einem durch Flakbeschuss schwergetroffenen B 17-Bomber der USAAF unweit des kleinen Dorfes Osterby bei Flensburg am 11. April 1944.  Es waren sicherlich dramatische Szenen, die sich am Bord abspielten und das Dorf entging wahrscheinlich knapp einem direkten Flugzeugaufschlag. Von den 10 Besatzungsmitgliedern der American Maid überlebten nur sechs den Absturz.

Thorsten Schulz hat die Aufzeichnungen seines verstorbenen Großvaters durchstöbert und akribisch die damaligen Ereignisse recherchiert und sogar die Nachkommen und Verwandten der damaligen Crew ausfindig gemacht und ist mit Ihnen in Kontakt getreten. Ein Grund, weshalb er den Kontakt zur DOK suchte war, dass der Co-Pilot der American Maid, William F. Kleine II, als einziger der Überlebenden ins Kriegsgefangener Stalag Luft I kam.

Dieter Boedeker erhielt von der Gemeinde Osterby eine Einladung an der Gedenksteinenthüllung in Osterby und der damit verbundenen Feierlichkeiten teilzunehmen.

Kurzbericht von der Veranstaltung

Zunächst einmal, es gibt (mindestens) zwei Osterbys, gar nicht so weit voneinander entfernt. Eins liegt westlich von Eckernförde, in dem ich beinahe gelandet wäre, aber das richtige liegt westlich von Flensburg, fast schon in Dänemark. Hier, mitten im Nirgends, war ein Zelt aufgebaut und der von Thorsten Schulz initiierte Gedenkstein wartete daneben auf seine Enthüllung. Es waren wohl fast 100 Personen anwesend, darunter vier Familien der überlebenden US-Flieger sowie der US General Konsul in Hamburg, Jason Chue, der auch für Mecklenburg-Vorpommern zuständig ist.

Die Familien der Überlebenden + Thorsten Schulz (größte Person vor dem Baum) + US-General Konsul Jason Chue (neben dem Stein halb kniend). Die Nachfahren von William sind in der Mitte des Bildes hinter dem Gedenkstein
Die Familien der Überlebenden + Thorsten Schulz (größte Person vor dem Baum) + US-General Konsul Jason Chue (neben dem Stein halb kniend). Die Nachfahren von William sind in der Mitte des Bildes hinter dem Gedenkstein

Vor der Enthüllung des Gedenksteins, einem Findling mit einer aufgesetzten zweisprachigen Plakette, hielten u.a. der Bürgermeister von Osterby, Thomas Jessen, Initiator Thorsten Schulz sowie Sprecher der einzelnen amerikanischen Familien kurze Reden. Bürgermeister Jessen betonte, dass nach Allem was man weiß, an der Absturzstelle Menschlichkeit vorherrschte und die Überlebenden von den Dorfbewohnern gut behandelt und versorgt wurden. Bis zum Eintreffen von deutschen Soldaten wurden sie von Menschen aus Osterby und Medelby zwar festgehalten, aber mit medizinischer Ersthilfe und mit Erfrischungen versorgt. Bill Kleine, Sohn des Co-Piloten und späterem Kriegsgefangenen in Stalag Luft I, hob hervor, dass die Osterbyer dafür gesorgt hätten, dass sein Vater hier überleben konnte und fügte hinzu: „Das hier ist eine Feier, ein Zeichen dafür, dass es viele gute Menschen gibt, die nur eines wollen, Frieden“! Seine Schwester, Sarajane (Kleine) Steinecker, ergänzte: „Der Kreis der Geschichte dieses Flugzeugs, der American Maid, und seiner Besatzung hat sich heute geschlossen.“ John Benjamin Totushek, Neffe des in Folge seiner Verletzungen gestorbenen Piloten, machte deutlich: „Es war keine Frage, ob, sondern wo die Maschine abstürzt.“ So war es wohl ein großes Glück, dass Osterby und seine Bewohner nur um Haaresbreite einer Katastrophe entgingen, die Maschine noch über das Dorf hinwegflog und nicht gar in die voll besetzte Schule stürzte.[1] Durch Recherchen und Zeitzeugenbefragungen von Thorsten Schulz kam ans Licht, dass Osterby tatsächlich nur knapp einer Katastrophe entgangen sein muss, denn wäre der Bomber nur zehn Meter tiefer reingekommen oder wenige Sekunden früher durch die Wolken gestoßen, wäre er wohl ins Dorf gestürzt.

Die Gemeinde Osterby hatte hervorragende Rahmenbedingungen für die Veranstaltung im Zelt einschließlich Simultanübersetzung und danach geschaffen. Im nahen Gasthof in Medelby war dann bei Kaffee und Kuchen Zeit für Gespräche und Klönschnack mit den geladenen Gästen und Zeitzeugen. Ich habe mit der Familie Kleine zusammen gesessen und hatte einen intensiven Austausch mit dem Sohn von William F. Kleine II, Bill, sowie seiner Tochter, Sarajane und deren Nachfahren. Sarajane übergab mir für unser Archiv ein Exemplar eines von der Y.M.C.A. herausgegebenen gebundenen Heftes von 1945, welches über den Alltag von amerikanischen Kriegsgefangenen in deutschen Lagern während des zweiten Weltkriegs (am Beispiel von Stalag Luft I) berichtet (auch im Netz, aber als Originalkopie wohl extrem selten: https://repository.tcu.edu/handle/116099117/44181).

Ebenfalls für die DOK bestimmt sind ein von William F. Kleine II und anderen POWs in Stalag Luft I aus silbernem Kaugummi- bzw. Zigarettenpapier handgefertigtes Fliegerabzeichen (Wing) sowie ein Tagebuch, welche uns bei passender Gelegenheit von Thorsten Schulz überreicht werden wird und noch gut in unsere Stalag Luft I – Vitrine passen sollte.

William-F. Kleine II mit dem Original-„Wing“ über der Brusttasche seines Uniformhemdes mit seiner Frau kurz vor seiner Versetzung zum Kriegsschauplatz Europa
In Stalag Luft I von William F. Kleine II und anderen aus silbrigem Kaugummi- bzw. Zigarettenpapier hergestellter Wing

Auf Bitte von Thorsten Schulz habe ich nach dem Kaffeetrinken den Anwesenden kurz unseren Verein vorgestellt und den Familien der US-Flieger sowie dem Dorfchronisten je ein Exemplar unseres Buchs „Stalag Luft I“ + einen Flyer überreicht. Dabei durfte ich nicht vergessen, dass von der Crew nur William F. Kleine II im Stalag Luft 1 war. Den Anderen erging es schlimmer, denn sie kamen ins berüchtigte Stalag 17B nach Krems (heutiges Österreich), waren nach der Befreiung teilweise  traumatisiert und berichteten auch von einem Todesmarsch.

Nach dem Abendessen spielte Pauls Brass Band auf und als die ersten Tänzer loslegten, musste ich nach Kiel zum Übernachten aufbrechen.

Eine richtige Bigband spielt nach dem Abendessen zum Tanz auf

Es ist schon erstaunlich, dass die kleine Gemeinde Osterby alle Kosten für die Feierlichkeiten inklusive Essen und Getränke übernehmen konnte.