1. Ehemalige KZ-Häftlingsfrauen aus Slowenien in Barth zu Gast

Hier zum Bericht über den Besuch im Rundbrief des Fördervereins Dokumentations- und Begegnungsstätte Barth e. V.

 

Hier ein weiterer Bericht:

2. Unsere Gäste aus Slovenien (am 22. Juni 2006) von Hannelore  R a b e

Unweit vom Pommernhotel in Barth, da wo der Zuweg in die Straße nach Löbnitz mündet, hielten die beiden PKW an. Martha und Ivanka sahen sich unschlüssig um. Ende April 1945 standen sie schon einmal hier. Damals befand sich an dieser Stelle das Haupttor zum KZ-Ravensbrück/Außenlager Barth. Damals wurden sie von hier aus auf den so genannten Todesmarsch in Richtung Rostock getrieben. Damals waren sie 18 und 20 Jahre alt.

Der Förderverein Dokumentations- und Begegnungsstätte Barth e. V. hat die beiden Frauen aus Slovenien für sechs Tage nach Barth eingeladen. Nach nunmehr 61 Jahren sollten die beiden ehemaligen Häftlinge noch einmal die Möglichkeit haben, den Ort ihrer tiefsten Erniedrigung, der Angst, der Trauer und Verzweiflung wieder zu sehen. Die Mitglieder des Vereines wissen, dass sie die Erlebnisse von damals durch diese Einladung nicht ungeschehen machen können. Aber Martha Vulič, Ivanka Spat und ihr sie begleitender Sohn Matjatz Spat sollen hier erfahren: Es gibt auch in Barth Menschen, die ihnen zeigen wollen:

Aber wir wollten auch wissen, wie es war: Der Alltag im Lager, Zwangsarbeit und Rüstungsproduktion bei Heinkel, Brutalität, Solidarität, Todesmarsch, Damgarten, Ribnitz und die Zeit danach.

Noch immer standen wir an der Straßeneinmündung, da wo ein paar unauffällige Feldsteine liegen. Weil wir von anderen Häftlingsgruppen sehr unterschiedliche Beschreibungen des Todesmarsches erhalten haben, fragten wir: „Wohin seid ihr von hier aus losmarschiert, in jener Nacht?“ „Na prawo“ - nach rechts also, über Löbnitz und die heutige B105.

Wir fuhren mit ihnen die Strecke ab, auf der sie einst in einer Gruppe von 80 bis hundert Häftlingsfrauen in Holzpantinen, ausgehungert, müde, umgeben von Gerüchten, von ihren Bewachern angebrüllt, gestoßen und entwürdigt, durch Wald und Felder getrieben wurden. „Es sah damals alles ganz anders aus. An den Straßenrändern kaputte Pferdewagen, Militärfahrzeuge, Menschengruppen, Kinderwagen, Tote im Straßengraben, Schreien und Wimmern. Wir waren so ängstlich, so traurig. Wir waren ja noch so jung.“ Wir versuchten den beiden, die Orientierung zu erleichtern. „Da rechts, die Kirche von Damgarten.“

Damgarten, ja da war es." Ivanka versagte die Stimme. Erst als wir über das alte Straßenpflaster holperten und in einer kleinen Gasse landeten, erfuhren wir es:
Bei einer kurzen Rast sortierten die Bewacher die Häftlinge aus. „Was du kannst nicht mehr? Na bitte.“ Wie viele Frauen dort noch erschossen wurden, wissen Ivanka und Martha nicht. „Es waren vor allem Zigeunerinnen, - oh wie bettelten sie um ihr Leben – und wir waren machtlos, so machtlos.“

An die Recknitzbrücke konnten sich die beiden im Gegensatz zu anderen Häftlingsgruppen nicht erinnern. - Aber „ . . . an den kleinen Wald, da rechts und dahinter lag das Meer. Wir hatten solche Angst, dass man uns auf Schiffe bringt und versenkt.“ „Plötzlich waren die Bewacher weg, wir waren alleine. In kleinen Gruppen schlichen wir vorsichtig weiter bis in die Stadt.“ Martha sagt: „Ich ging dann keinen Schritt mehr. Ich legte mich auf den Bordstein und schlief. Als ich wieder wach wurde, sah ich wenige Leute, aber weiße Fahnen."

Vielleicht ist es uns gelungen, den beiden einst von Deutschen zur Zwangsarbeit Gezwungenen, Gedemütigten, Rechtlosen die Schönheit unserer norddeutschen Heimat zu zeigen. Sie werden in Slovenien erzählen und auch der Sohn Matjatz als Vertreter der Kinder- und Enkelgeneration wird dazu beitragen, Vorstellungen von „den Deutschen“ zu korrigieren. Vielleicht ist es uns gelungen, Martha und Ivanka die Chance zu geben, ihre Vergangenheit ein Stück aufzuarbeiten, ihnen schöne Stunden zu bereiten, denn in ihrer Heimat wurden und werden sie nicht gerade verwöhnt.

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Empfang beim Bürgermeister von Barth

Gespräche mit Schülern und Lehrern in Rostock und Ribnitz, Interviews, Besuch der Ausstellung DOK, Gang über den Gedenk- und Lernpfad, Empfänge der Bürgermeister in Barth und Ribnitz-Damgarten und Gespräche im Archiv rundeten das Besuchsprogramm ab.

Hannelore  R a b e   

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