Ausstellung zeigt Kriegsproduktion

Voraussetzungen, Umfeld und Bedingungen der Produktion des Volksjägers in Barth werden jetzt in einer Ausstellung gezeigt.

Von VOLKER STEPHAN

Barth. Nicht die Technik und die Produktionstechnologie des für seine Zeit ultramodernen Jagdflugzeugs Heinkel He-162, des so genannten Volksjägers, steht im Mittelpunkt einer Wanderausstellung des Fördervereins Dokumentations- und Begegnungsstätte Barth. Die Gestalter von „Der Volksjäger Heinkel He-162 im Jahr 1945 – Stationen der Hochtechnologie und Zwangsarbeit im heutigen Mecklenburg-Vorpommern“ legten vielmehr den Schwerpunkt auf die Voraussetzungen, das Umfeld und die Bedingungen seiner Entwicklung und Erprobung in Mecklenburg und Vorpommern sowie seiner Produktion in Barth. Im Barther KZ-Betrieb „Müller-Werk“ wurde das frühe Düsenflugzeug von 1944 bis zum Kriegsende nach dem Beispiel des Oranienburger Heinkel-Werkes von KZ-Häftlingen montiert. Auch dem Erinnern und Gedenken an die vielen Opfer sowie an die Erniedrigungen und Torturen der Überlebenden der Zwangsarbeit ist diese Wanderausstellung gewidmet.

Am Sonnabend wurde ihr erster Teil im Erweiterungsbau des Bibelzentrums vorgestellt. Der Barther Grafiker Wolfgang Sohn hat das umfangreiche Anschauungsmaterial aus Texten, Fotos und Zeichnungen auf praktischen Rolltafeln untergebracht.

Zu den bereits fertig gestellten zehn Tafeln sollen in der zweiten Jahreshälfte noch einmal zehn weitere dazu kommen. Dann ist die Wanderausstellung komplett und kann ohne großen Transportaufwand auf Reisen gehen, worüber sich Vereinsvorsitzende Hannelore Rabe besonders freute.

Zur Einführung hielt Landtagsabgeordneter Manfred Brodkorb (SPD) einen Vortrag, in dem er über die Phasen der Aufarbeitung der Geschichte von 1933 bis 1945 in der Bundesrepublik Deutschland sprach. „Wir leben jetzt in der vierten Epoche der Geschichtsbewältigung der Zeit von 1933 bis 1945. Ihre Besonderheit ist, dass bald niemand mehr aus eigener Erfahrung berichten kann, wie es wirklich war. Deshalb muss jetzt soviel wie möglich Authentisches mit Hilfe der modernen Technik bewahrt werden", forderte Brodkorb. „Junge Menschen lernen eher von anderen jungen Menschen. Deshalb sollten sie bevorzugt in der Gedenkstättenpädagogik als Botschafter des Erinnerns eingesetzt werden", schlug der Landtagsabgeordnete weiter vor.

Seine Meinung, die Geschichte des Dritten Reiches sei in der DDR nicht umfassend genug aufgearbeitet worden, stieß in der anschließenden Diskussion auf Widerspruch. Brodkorb konkretisierte: „In der DDR stand das Opfer im Mittelpunkt der Aufarbeitung, doch hat man sich nie die Täterperspektive vor Augen gehalten."

Einen einprägsamen und mit Fakten unterlegten Vortrag zum Thema der Ausstellung hielt Dr. Martin Albrecht, Historiker aus Berlin. Selbst altgediente Barther Heimatforscher konnten ihm noch etwas Neues entnehmen.

 

Geschichtsaufarbeitung diskutiert

Foto: V. S.

Das umfangreiche Material, das sie im Zuge der Ausstellungsvorbereitung zusammen getragen hatten, verwendeten Dr. Albrecht und Helga Radau auch zur Erstellung einer Broschüre mit dem Titel „Heinkels Müller-Werk und das Außenlager des KZ Ravensbrück". Diese wird in den nächsten Tagen ausgeliefert und kann kostenlos mitgenommen werden.

Das tagesfüllende Programm wurde durch die Präsentation einer Projektarbeit von Schülern der 12. Klassen des Barther Gymnasiums zum Thema „Die Opfer des Nationalsozialismus", eine Exkursion zu Gräbern auf dem Barther Friedhof sowie eine Führung durch die Dokumentations- und Begegnungsstätte ergänzt.