Das lokale Wochenblatt für die Region zwischen Ostsee und Recknitz "Ostsee Anzeiger" veröffentlichte am 05. November 2003 einen Artikel unter der Überschrift:

Boddenstadt bekennt sich zu seiner Geschichte

Einweihung des Gedenk- und Lernortes KZ Barth

Am 9. November, um 11:00 Uhr, laden die Stadt Barth, der Förderverein Dokumentations- und Begegnungsstätte Barth e.V. und die evangelische Kirche zu einer Gedenkfeier und Einweihung des Gedenk- und Lernortes KZ Barth ein. Die Veranstaltung ist dem 60. Jahrestag der Ankunft des ersten Häftlingstransportes in der Stadt Barth und dem 65. Jahrestag der Reichspogromnacht gewidmet.

Sprechen werden der stellv. Ministerpräsident M-V Professor Methling, der Bürgermeister der Stadt Barth, M. Löttge und Frau H. Rabe vom VVdN-BdA.

Am 9. November 1943 erreichte der erste, aus Buchenwald kommende Häftlingstransport die Stadt Barth. Von den etwa 6000 im Konzentrationslager Barth für die Kriegsproduktion ausgebeuteten Häftlingen überstanden 2000 diese Zeit nicht.

Am 29. April 1945 löste die SS das Lager auf und trieb alle gehfähigen Häftlinge auf einen Todesmarsch in Richtung Rostock. Die zurückgebliebenen Toten und Kranken, durch Entkräftung kurz nach ihrer Befreiung verstorbenen Häftlinge wurden auf einem kleinen Gedenkfriedhof auf dem ehemaligen KZ-Gelände beigesetzt. 1955 verlegte man diesen in die Nähe des Rathauses und 1965 mit den Toten eines am Rande der Stadt aufgefundenen Massengrabes zum heutigen Mahnmal Barth an der Chausseestraße.

Vor allem bei der jüngeren Generation geriet der authentische Ort in Vergessenheit.

Mit der Schaffung des Gedenk- und Lernortes auf dem Gelände des ehemaligen KZ Barth ist ein Museum im öffentlichen Raum entstanden. Es ist allen Besuchern unbegrenzt und unentgeltlich zugänglich. Auf sechs Stelen entlang eines zwischen den Gebäuderesten angelegten Pfades können sich die Besucher den historischen Ort wieder erschließen und aneignen. Das wird durch eine Vielzahl von Dokumenten, Fotos und Zeitzeugenberichten ermöglicht.
Finanziert und verwirklicht haben diesen Ort nicht nur staatliche Stellen, sondern auch die Barther selbst. Die Idee wurde im Förderverein Dokumentations- und Begegnungsstätte Barth e.V. vor vier Jahren geboren. Die Barther Qualifizierungs- und Beschäftigungsgesellschaft e.V. legte den Weg nach eingehender Beschäftigung mit den verfügbaren Unterlagen über das ehemalige KZ-Gelände an. Aus Mitgliedern des Fördervereins bildete sich eine Arbeitsgruppe "Stelentexte", die um die inhaltliche Gestaltung der sechs Stelen rang.
Da mussten ost- und westdeutsche geprägte Ansichten, verschiedene Weltanschauungen und ein oft unterschiedliches Geschichtsverständnis eine gemeinsame Sprache finden.
Der Barther Grafiker Wolfgang Sohn gestaltete die Stelen. Das Geld wurde durch das Land, die Stadt Barth, Privatspenden Barther Unternehmen und selbst ehemaliger Häftlinge aufgebracht.

Eine Stadt bekennt sich zu ihrer Geschichte und gibt einem historisch wichtigen Ort seine Bedeutung zurück.