Am Ortseingang der Boddenstadt Barth aus Richtung Löbnitz kommend, befindet sich das Mahnmal für die Opfer des Konzentrationslagers Barth.

Die heutige Gedenkstätte wurde am 8. Mai 1966 eingeweiht.

Am Eingang, direkt an der Chausseestraße steht eine Betonwand mit den Worten:  Mahnmal KZ Barth und dem Umriss eines Häftlingswinkels. Im Zentrum der Anlage erhebt sich der hohe Glockenturm mit allseitig durchbrochenen Wänden aus roten Winkeln. Die Gedenkanlage wird begrenzt von einer Betonwand mit vier fast quadratischen Reliefs, die der Bildhauer Prof. Jo Jastram schuf.
Sie stellen Erlebnisse der Häftlinge dar:  Folter, Solidarität, Widerstand und Befreiung.

Zwischen dem Turm und der Mauer befindet sich die Grabanlage. In den Boden sind Steinplatten eingelassen, auf denen in acht verschiedenen Sprachen steht:

 

Hier ruhen 180 von den im KZ für die Profitinteressen des Heinkelkonzerns zu Tode gequälten 2000 Antifaschisten aus 18 europäischen Nationen
1943 - 1945
Ihr Tod ist uns Verpflichtung.

 


In den neunziger Jahren war es nicht mehr zu übersehen und auch nicht mehr zu verantworten:
Das Mahnmal für die Opfer des KZ-Außenlagers Barth in der Chausseestraße begann zu zerfallen.

Die Stadt Barth konnte das Geld für eine Sanierung nicht aufbringen und deshalb unterbreitete der Bürgermeister den Vorschlag, einen Förderverein zu gründen.

Es waren nur wenige, aber engagierte und hoch motivierte Barther Bürger aber auch Interessierte aus Mecklenburg-Vorpommern, die sich 1998 zum Förderverein Dokumentations- und Begegnungsstätte Barth e. V. zusammenfanden. Ihnen ging es nicht nur darum, an Fördertöpfe für die Sanierung der Gedenkstätte zu gelangen - sie erkannten, dass es in der Geschichte des Lagers noch viele weiße Flecken gibt und bemühen sich seit dem, herauszufinden, was hier in Barth tatsächlich geschehen ist.

Bereits in den siebziger und achtziger Jahren begannen Schüler in der Arbeitsgemeinschaft „Junge Historiker“ der Erweiterten Oberschule Barth zu forschen, die Aufzeichnungen von Alfred Weber u. a. auszuwerten und Kontakt zu ehemaligen Häftlingen aufzunehmen. Die Ergebnisse und die Arbeiten von Ines Birth flossen in die 1991 zielgerichtet begonnene Forschung der damaligen Stadtarchivarin Helga Radau ein, die sie u. a. in ihrem Buch „Nichts ist vergessen und niemand“ zusammenfasste.

In der Stadt Barth gab es unter der SS-Aufsicht das Konzentrationslager (Außenlager von Ravensbrück), in dem Frauen, Männer und auch Kinder als Häftlinge und Zwangsarbeiter ab 1943 für die Heinkel-Flugzeugwerke in der Rüstungsproduktion arbeiten mussten. Durch sie wurden auch die Flugzeugteile für die Standardbomber He111, im so genannten „Jägernotprogramm“ die He 162 („Salamander“) und die Nacht-Jagdflugzeuge He 219 (“Uhu“) gefertigt.

Die dafür verwendeten Düsenantriebe stammen von Hans Joachim Pabst von Ohain. Er entwickelte sie im Heinkelkonzern seit 1936 weiter und war Ernst Heinkel seit 1937 unmittelbar unterstellt. Ohain blieb bis 1945 als Entwicklungschef für Strahltriebwerke bei Heinkel.

Außer dem Konzentrationslager gab es in Barth noch ein Lager: Stalag Luft I in dem von 1940 bis Mai 1945 tausende kriegsgefangene Flieger: Offiziere und Unteroffiziere aus vier verschiedenen Erdteilen interniert worden waren.

1985 wurde in Anwesenheit ehemaliger Kriegsgefangener aus den USA und sowjetischen Kriegsveteranen auf dem Gelände des früheren Kriegsgefangenenlagers eine Gedenkstätte eingeweiht.  1996  wurde die vorhandene Metallplatte ausgewechselt. Die jetzige Tafel trägt in deutscher und englischer Sprache folgenden Text:

  Diese Tafel wurde am 28.9.1996 von den Bürgern der Stadt Barth und dem Verband ehemaliger Kriegsgefangener der Royal Air Force eingeweiht im Gedenken aller Gefangener des Stalag Luft 1, das sich hier vom Juli 1940 bis Mai 1945  befand: Mitglieder der Luftstreitkräfte von Großbritannien, dem Commonwealth und den USA sowie ihren Alliierten aus den okkupierten Ländern und der Sowjetunion. „Nichts ist vergessen.  
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Pflege und Erhalt der Gedenkstätten zu sichern, Forschung zu betreiben, Ergebnisse und Aussagen zu prüfen, Hintergründe und Zusammenhänge zu erkennen, Zeitzeugen zu Wort kommen zu lassen, Geschichte freizulegen, Täter beim Namen zu nennen, ungerechtfertigte Verallgemeinerungen nicht zuzulassen - die Menschenwürde zu bewahren - darin sehen die aktiven Mitglieder des Fördervereines ihre Aufgaben.

Wir haben in der Stadt Barth eine Dokumentations- und Begegnungsstätte geschaffen, an dem Schicksale von Menschen, die in Barther Lagern gelitten haben oder im Konzentrationslager umgebracht wurden, dokumentiert werden. Es ist ein Ort, an dem Begegnungen mit ehemaligen Gefangenen und deren Nachkommen aus den beiden großen Lagern in Barth stattfinden. Es ist ein Ort, an dem sich junge Menschen, Touristen, Besucher der Stadt informieren können, Zeitzeugenberichte lesen, Bilder und Dokumente einsehen und Videos ansehen können.

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