(Zitat des zwar auch im Internet veröffentlichten Beitrags der Ostsee-Zeitung vom 10. November 2003, S. 17, aber da Original-Zeitungsartikel nach einiger Zeit nicht mehr online zu erreichen sind, hier der Text und das Foto. Die Urheber- und Copyright-Rechte liegen bei Volker Stephan.)

  Sechs Stehlen zum Gedenken
Barther Bürger gedachten der Opfer faschistischer Verbrechen

Sechs Stelen erinnern künftig in der Barther KZ-Gedenkstätte an das Schicksal der Lagerinsassen. Gestern wurde die sechste und letzte Stele am Lern- und Gedenkpfad feierlich enthüllt.

von VOLKER STEPHAN

Sechs Stelen erinnern künftig in der Barther KZ-Gedenkstätte an das Schicksal der Lagerinsassen. Gestern wurde die sechste und letzte Stele am Lern- und Gedenkpfad feierlich enthüllt.

Johannes Scheringer, Kerstin und Mathias Löttge, Landrat Wolfhard Molkentin sowie Umweltminister Wolfgang Methling (von links) legten am Barther Mahnmal Blumen und Gebinde zum Gedenken nieder.

 

 

Barth Gleich zweifachen Grund bot der gestrige 9. November, um auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Barth eine Gedenkveranstaltung durchzuführen. Zum fünfundsechzigsten Mal jährten sich an diesem Tag die Verbrechen der Reichspogromnacht, während der es 1938 auch in Barth zu Ausschreitungen gegen jüdische Mitbürger gekommen war. Hinzu kommt: Auf den Tag genau vor sechzig Jahren kam der erste Eisenbahntransport mit Häftlingen aus Konzentrationslagern in Barth an. Diese mussten anschließend im Heinkel-Werk schuften – zweitausend von ihnen überlebten die Zeit bis zu Befreiung nicht.

Kommunal- und Landespolitiker sowie zahlreiche Barther Bürger nahmen diese Jahrestage zum Anlass, sich am Barther Mahnmal zum Gedenken zu versammeln. Bürgermeister Mathias Löttge und Umweltminister Prof. Dr. Methling hielten vor den Gästen Ansprachen, in denen sie beide auf die Verantwortung zur Aufarbeitung der Geschichte und die Verpflichtung des Mahnens und Erinnerns hinwiesen.

Löttge erklärte, wie sich die Stadt Barth seit 1990 mit vielen Maßnahmen und Veranstaltungen ihrer Verantwortung gestellt hat, Methling hob erfreut die zahlreiche Teilnahme so vieler Menschen an der Gedenkveranstaltung hervor. Nachdem Politiker und Gäste an der von Jo Jastram gestalteten Gedenkmauer ihre Kränze und Blumensträuße niedergelegt hatten, begaben sich alle gemeinsam zum Lern- und Gedenkpfad inmitten der Reste des ehemaligen KZ-Außenlagers.

In den letzten Jahren wurden hier durch den Förderverein Dokumentations- und Begegnungsstätte Barth bereits fünf Stelen mit Informationen zum Lager aufgestellt. An diesem Tag sollte die sechste und letzte eingeweiht werden. Prof. Dr. Methling und Hannelore Rabe vom Verband der Verfolgten des Naziregimes / Bund der Antifaschisten (VVdN/BdA) vollzogen die Enthüllung der vom Barther Grafiker Wolfgang Sohn gestalteten und von Barther Betrieben, wie den Stadtwerken und der Schiffswerft gebauten und teilweise bezahlten Stele.

In einer kurzen Rede dankte Hannelore Rabe neben den bereits genannten Firmen vor allem auch den beteiligten Historikern, Barther Bürgern sowie Jugendlichen eines internationalen Workcamps, das hier stattgefunden hatte. Sie konnte bestätigen, dass Barth sich auf seinem Weg zu einer weltoffenen Stadt tatsächlich mit seiner Geschichte auseinander setzte.