(Zitat des nicht im Internet veröffentlichten Beitrags der Ostsee-Zeitung vom 6. November 2003, S. 15)

Vom schwierigen Ringen um die Stelen-Texte

Nach der Einweihung des Mahnmals im Jahre 1966 begannen in Barth Forschungen durch Schüler der Arbeitsgemeinschaft "Junge Historiker" der EOS. Es kam zu ersten Kontakten mit ehemaligen Häftlingen des KZ.

 1991 nahm die damalige Stadtarchivarin Helga Radau die Forschungsarbeiten wieder auf. Weitere Kontakte wurden geknüpft und neues Material aufgefunden. 1998 gründete sich der Förderverein Dokumentations- und Begegnungsstätte Barth, der die Arbeit bis heute fortführt. Vor allem in Gesprächen mit jungen Menschen zeigte sich, dass sie kaum wussten, wofür das Mahnmal KZ Barth eigentlich stand. So entstand die Idee, einen Gedenk- und Lernpfad direkt auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers zu errichten. Vor allem die Betroffenen sollten zu Wort kommen. Daher stehen die Berichte der ehemaligen Häftlinge und anderer Zeitzeugen im Vordergrund.

Vor drei Jahren begannen die Arbeiten am Gedenk- und Lernpfad. Sie wurden vom Förderverein organisiert und koordiniert. Unterstützt wurde das Projekt durch das Ministerium für Soziales, das Ministerium für Wissenschaft, Bildung und Kultur, die Stadt Barth, den Kreis Nordvorpommern und Betriebe der Stadt Barth. Die Barther Qualifizierungs- und Beschäftigungsgesellschaft legte den Weg des ehemaligen KZ-Geländes an. Von den Gebäuden des Konzentrationslagers sind nur noch Reste erhalten, da sie nach 1945 gesprengt wurden.

Sechs Metallstehlen sollen an für die Geschichte des Lagers wichtigen Punkten (Frauenblock mit Folterbunker, Wirtschaftsgebäude, Krankenrevier) zu den Besuchern sprechen. Aus Mitgliedern des Fördervereins bildete sich die Arbeitsgruppe "Stelentexte", die um die inhaltliche Gestaltung der Stelen rang. Es war eine schwierige Arbeit, da in dieser Gruppe die verschiedensten Weltanschauungen und Lebenserfahrungen aufeinander trafen. Da diskutierten die Pastorin und der Vikar mit einem Vertreter der PDS, ein BUND-Mitglied mit einem Mitglied des Bundes der Antifaschisten, die Hausfrau mit der ehemaligen Stadtarchivarin. Da mussten ost- und westdeutsch geprägte Ansichten und ein oft unterschiedliches Geschichtsverständnis eine gemeinsame Sprache finden.

 

Die grafische Gestaltung übernahm der Barther Künstler Wolfgang Sohn.