Leidensstätte für Menschen aus 20 Nationen


 
Sechs Metall-Stelen an wichtigen Punkten des ehemaligen KZ Barth sollen zu den Besuchern sprechen. Vier dieser Merkpunkte sind bereits übergeben. Am 9. November 2003 wurden die beiden letzten Stelen enthüllt.
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Karger

In der Stadt Barth wurde im Herbst 1943 auf dem schon 1936 gebauten Fliegerhorst ein Außenlager des KZ Ravensbrück eingerichtet. Wegen der alliierten Luftangriffe verlagerten die Heinkel Flugzeugwerke Rostock 1943 einen Teil der Produktion nach Barth. Diese Firma war eine der ersten, die massiv KZ-Häftlinge in der Produktion beschäftigte. Sechs Kasernen des Fliegerhorstes wurden mit Stacheldraht umzäunt und zur Leidensstätte für ungefähr 7000 Frauen, Männer und selbst Kinder aus etwa 20 Nationen.

Am 9. November 1943 traf der erste Häftlingstransport aus dem KZ Buchenwald ein. weitere Häftlinge kamen aus den Lagern Auschwitz, Sachsenhausen, Ravensbrück, Neuengamme und Peenemünde. Nicht mehr arbeitsfähige Häftlinge brachte man nach Ravensbrück. Verstorbene oder getötete Häftlinge wurden im Krematorium Rostock verbrannt, auf dem Barther Friedhof oder in Massengräbern verscharrt. Historiker schätzen, dass etwa 2.000 Menschen durch systematischen Hunger, Verweigerung medizinischer Hilfe, Schwerstarbeit und Misshandlungen ums Leben kamen.

Am 29. und 30. April 1945 räumte die SS das Lager. Für alle Gehfähigen Häftlinge begann der Todesmarsch in Richtung Rostock. Kranke und Tote wurden zurückgelassen. Am 1. Mai 1945 stießen ehemalige Insassen des Kriegsgefangenenlagers Stalag I (hier waren 10.000 Offiziere der alliierten Luftstreitkräfte interniert) auf das Männerlager des KZ. Am 2. Mai erreichten die Truppen der 2. Belorussischen Front das KZ. Sowjetische, britische und amerikanische Ärzte versorgten die Überlebenden, von denen in den ersten Tagen noch viele an den Folgen ihrer KZ-Haft verstarben.

Das Mahnmal KZ Bart, an dem die Feierlichkeiten am 9. November 2003 beginnen werden, wurde am 8. Mai 1966 eingeweiht.

Zur Vorbereitung der so genannten "Rostocker Prozesse" gegen ehemalige Aufseher des KZ Barth ging man den Berichten von Barther Bürgern nach und bettete die in einem Massengrab auf einem Acker in der Nähe der Stadt aufgefundenen toten Häftlinge an einen Ort unweit des ehemaligen Lagers um. Für sie sowie für 56 nach der Befreiung gestorbenen Häftlinge und elf auf dem Todesmarsch bei Rövershagen umgekommenen Häftlinge errichtete man als würdige Begräbnisstätte ein Mahnmal.

Kurze Zeit nach dessen Einweihung wurden auf Anweisung des Rates des Kreises Ribnitz-Damgarten die Buchstaben "KZ" entfernt.

Als Literatur ist zu empfehlen:
Radau, Helga: Nichts ist vergessen und niemand: Aus der Geschichte des Konzentrationslagers in Barth. - 1. Aufl.- Kückenshagen: Scheunen-Verl., 1995. ISBN 3-929370-09-3