Liebe Vereinsmitglieder, liebe Freunde und Förderer,

 

heute, wenn auch etwas verspätet erhalten Sie den traditionellen Rundbrief für das Jahr 2005 ▬ dem Jahr der Befreiung Europas vom Nationalsozialismus.

 

 

Dokumentations– und Begegnungsstätte nennt sich unser Förderverein, aber diese „Stätte“ hatten wir bisher genau genommen noch gar nicht.

 

Was hatten wir nach unserer Gründung 1998 ?

Ein sanierungsbedürftiges Mahnmal, ein Gelände mit überwucherten Trümmern der gesprengten KZ- Gebäude, eine Stadtarchivarin, die seit Jahren Material sammelte und Kontakte mit Betroffenen auf allen fünf Kontinenten pflegte. Wir hatten einige Berichte und Fakten, deren Sachlichkeit wir manchmal anzweifeln und korrigieren mussten, einen Historiker und einen Bürgermeister, die bereit waren uns zu unterstützen.

Dazu hatten wir 26 Mitglieder mit guten Vorsätzen, zeitweilig zwei ABM- Kräfte, eine engagierte Lehrerin mit einigen interessierten Schülern, einige Barther Bürger, die eine Aufarbeitung der Geschichte ihrer Stadt während der Zeit der Nazidiktatur aus „gutem Grund“ überhaupt nicht wollten, und wir hatten junge Leute aus internationalen Workcamps – aber weder Geld noch Räume.

 

In den ersten Monaten des Jahres 2005 saßen unsere Mitglieder Helga Radau, Elke Engelmann, Gabriele Boedeker, Dr. Martin Albrecht, Dr. Andreas Wagner stunden- und tagelang über den Texten zur Ausstellung „12 von 750 Jahren /Barth 1933 bis 1945“. Der Graphiker Herr Sohn verzweifelte fast, wenn die Termine für die Folien nicht gehalten werden konnten oder die Texte noch und noch einmal auch durch das Korrekturlesen unserer Mitglieder, wie Frau Garber und Hannelore Rabe verändert werden mussten.

Unruhige Zeiten erlebte auch Dieter Flechsig. Er war verantwortlich für die Sanierung und Ausgestaltung der ehemaligen Hausmeisterwohnung in der Diesterwegschule am Bleicherwall. Ohne die unbürokratische Hilfe des Bürgermeisters Herrn Löttge, der Stadt und ihrer Abgeordneten hätten wir unser Ziel, am 1.Mai 2005 unsere Räume als Dokumentations– und Begegnungsstätte für die Barther Bevölkerung und ihre Gäste zu öffnen, nicht erfüllen können. Aber darüber und über die beteiligten Handwerker wird Dieter Flechsig in seinem Beitrag selbst berichten.

 

In diesem Rundbrief werden Sie auch noch erfahren, was Helga Radau auf ihren zahlreichen „Wanderungen“ mit ihren vorwiegend englisch sprechenden Gästen erlebte, was es mit der Forschung und der HE 162 und Dr. Martin Albrecht auf sich hat, was Elke Engelmann den Lehrern, Schülern und Zivildienstleistenden zu sagen weiß, was Dr. Andreas Wagner und Hannelore Rabe in der Rostocker Expertenkommission zu suchen hatten und weshalb Frau Ljudmilla Muratowa einen kleinen Strauß Hasenpfötchen mit nach Rostow am Don nahm.

 

Am 27. September 2005 trafen sich die Mitglieder des Fördervereines zur Jahreshaupt- und Wahlversammlung erstmals in „unseren Räumen“. Dr. Martin Albrecht konnte leider den Verein von Berlin aus nicht mehr leiten, und bat von seiner Funktion abgelöst zu werden. Die gewählte neue Vorsitzende, Hannelore Rabe tritt ein anspruchsvolles Erbe an. Der Verein hat vor allem in den letzten Jahren ein hohes Niveau und Öffentlichkeit erreicht. Dies zu halten ist eine Verpflichtung, die nur mit engagierten Mitgliedern erfüllt werden kann. Helga Radau als Stellvertreterin, Dr. Andreas Wagner als Geschäftsführer, Elke Engelmann als Schatzmeisterin, Dieter Flechsig als Mann für die Öffentlichkeitsarbeit, Maria Räthel und Helga Radau als Schriftführerinnen gehören zum neuen Vorstand. Wir danken den ausgeschiedenen Vorstandsmitgliedern Gaby Boedeke und Dr. Martin Albrecht. Sie haben wertvolle Spuren ihrer Tätigkeit hinterlassen.

 

Ein Verein kann auch beim besten Willen nicht bestehen, wenn die materiellen und organisatorischen Voraussetzungen fehlen. Dank der Unterstützung von BQB Barth konnten wir vorerst drei Barther Bürgerinnen im „1 Euro-Job-Verfahren“ bei uns einstellen. Damit sind die Öffnungszeiten für die Ausstellung abgesichert und es kann das umfangreiche Forschungs- und Arbeitsmaterial aufgearbeitet werden.

 

Die 750-Jahr-Feier forderte dem Bürgermeister und den Stadtvertretern ein hohes Maß an zusätzlicher Arbeit ab. Wir sind froh, dass wir auch dank ihrer Unterstützung unseren Beitrag zum Jubiläumsjahr leisten konnten. Mit dem Titel der Ausstellung „12 von 750 Jahren/ Barth 1933-1945“ wird Bestrebungen, diese Zeit von der Geschichte dieser Stadt abzukoppeln entgegengewirkt. Das sind wir dem Respekt der Menschen innerhalb und außerhalb Deutschlands, deren Lebensweg auf so tragische Weise mit dem Namen Barth verbunden ist, schuldig.

 

 

Wie soll es weitergehen mit unserem Förderverein Dokumentations– und Begegnungsstätte Barth e.V.?

(Ob wir unseren Namen und das Logo ändern und die Satzung überarbeiten wollen, darüber werden die Mitglieder im Herbst beraten und beschließen.)

 

Seit die Ausstellung eröffnet wurde, gab es viele Barther, die vor den Tafeln diskutierten, sich erinnerten, nachfragten. Das bestärkt uns in der Annahme, dass sie, vor allem aber die jüngere Generation, Schüler, Auszubildende und Studenten Antworten auf ihre Fragen suchen, was in ihrer Stadt, sozusagen um die Ecke geschah, wo die Ursachen für Ereignisse, für das Verhalten und Denken der Menschen zu suchen sind.

 

Der Flyer, unsere Homepage und zahlreiche Veröffentlichungen in- und außerhalb Deutschlands machen uns bekannt. Das bedeutet, immer mehr Besucher, Reisegruppen, Schulklassen, Projektkurse, Historiker, auch Diplomanten melden sich an.

Das bedeutet: Neben angemeldeten Führungen erwarten von weit her Gereiste auch Betreuung, Gespräche, Rundgänge durch Barth.

Das bedeutet: Die ehrenamtlichen Mitglieder das Vorstandes können bald nicht mehr alle Wünsche befriedigen und das bedeutet ……. Naja, ▬ vielleicht haben Sie da eine Idee?

 

Was wir uns für 2006 konkret vorgenommen haben, lesen Sie bitte auf der letzten Seite.

 

Ihnen und Ihren Familien wünschen wir für die verbleibenden Monate des Jahrs 2006 noch alles Gute.

 

Hannelore   R a b e im Namen des Vorstandes