Musik im Stalag Luft I

Wichtig für die Kriegsgefangenen des Stalag Luft I waren kulturelle und sportliche Betätigungen zur Stärkung von Körper und Geist nach dem Motto "Mens sana in corpore sano".

Die YMCA lieferte neben Büchern, Sportequipment, Bibeln, Malutensilien, Plattenspielern auch eine Vielzahl an Musikinstrumenten und Theaterrequisiten. Es gab eine Theatergruppe, die aus Amateuren und profilierten Schauspielern bestand, wie z. B. der später sehr renommierte britische Schauspieler Donald Pleasance.

Weiterhin bestanden mehrere Orchester mit talentierten Musikern, von denen einige vor ihrem Kriegseinsatz in bekannten Big Bands engagiert waren. Das Orchester im Südlager wurde von Dorman "Shady" Lane geführt, der Glee Club im Südlager stand unter der Leiter von John Lashly aus South Carolina, der Arrangements für die Merrimacs gemacht hatte, die für ein nationales Radioprogramm in den USA gesendet wurden.

Im Dezember 2008 erhielt Helga Radau vom Sohn John Lashlys eine CD mit der in Barth entstandenen musikalischen Komödie "Hit the Bottle", die im Stalag Luft I von Nelson Gidding getextet und produziert worden war, der in späteren Jahren die Filmusik für "The Andromeda Strain" und "The Hindenburg" komponierte. Von John Lashly stammen Text und Musik des wehmütigen Songs "Low Is the Sun", der die Sehnsucht der Kriegsgefangenen nach der Heimat und ihren Lieben zum Ausdruck bringt.

Im Dezember 1944 brachte der amerikanische Radiosender CBS seinem "Report to the Nation" einen Bericht über "Hit The Bottle" und Stalag Luft I, mit musikalischen Kostproben und den Songs "Low Is the Sun" und "All Through the Night", der von Harry Korger komponiert wurde. Texte und Noten hatte der Kriegsgefangenen Cecil B. Fishcer in die USA gebracht, der gegen einen in amerikanischer Kriegsgefangenschaft befindlichen Deutschen ausgetauscht worden war.

Die deutsche Lagerkommandantur wollte zuerst die Gründung von Orchstern und Bands nicht erlauben, da sie den American Jazz als "Cow Music" bezeichnete. Nachdem die Musiker versprachen, nur klassische Musik zu spielen und sie zu den Konzerten einzuladen, stand einer musikalischen Betätigung nichts im Wege. Allerdings hielten sich die Musiker nicht an ihr Versprechen, und die Deutschen erfreuten sich sicherlich an mitreißenden Jazzkonzerten.

Helga Radau