Mittwoch, 02. Mai 2007 | Titelseite

Langer Gang gegen kurzes Gedächtnis

Ribnitz-Damgarten/Barth Gelbe Chrysanthemen, rote Nelken und Tränende Herzen vor der Gedenktafel auf dem Ribnitzer Marktplatz. Auch zum 62. Jahrestag des Todesmarsches von Barther KZ-Häftlingen nach Ribnitz-Damgarten war das Interesse für die 34 Kilometer lange Traditionswanderung groß. Morgens trafen sich am Barther Mahnmal Bürger, Kommunalpolitiker und Wanderer zur Kranzniederlegung. Der Barther Bürgermeister Dr. Stefan Kerth und Johann Scheringer von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten hielten kurze Ansprachen, in denen sie aus aktuellem Anlass auf die wichtige gesellschaftliche Bedeutung des Gedenkens an die Opfer verwiesen. Anschließend setzte sich die kleine Wandergruppe in Bewegung und kam dabei auch an einem Überbleibsel der Vergangenheit vorbei – einem gesprengten früheren Luftschutzbunker auf dem Gedenkstättengelände in der Stadt Barth. Nach achteinhalb Stunden Marsch trafen dann fast 30 Wanderer auf dem Markt in Ribnitz ein.

„Es ist schön, dass wir in jedem Jahr so nett von einigen Ribnitzern empfangen werden", sagte Johann Scheringer, als der kurze Applaus verebbte. Doch auch Unmut breitete sich aus, weil kein Stadtvertreter die Wanderer vor dem Rathaus empfing. Für Ewald Hinz (77) ist die Begrüßung der Traditionswanderer hingegen ein Bedürfnis. „Seit 40 Jahren lebe ich in der Stadt. Ich fühle mich mit ihr und ihrer Geschichte verbunden", so der Damgartener. Der Bund der Antifaschisten sowie einige Wandervereine organisieren den Marsch seit 17 Jahren. Doch ins Leben rief der Ribnitzer Olaf Liepold (79) die Gedenkwanderung. Aktiv an den Todesmarsch des 2. Weltkrieges erinnern – so lautet die Devise der Teilnehmer. Am 1. Mai 1945 stoppten mutige Ribnitzer den Todesmarsch von 800 Frauen. Sie waren von dem KZ-Außenlager in Barth nach Ribnitz getrieben worden.

Sie sollten erschossen werden. Doch die Ribnitzer entwaffneten das Erschießungskommando und retteten die Frauen. Monika Otum aus Marlow lief die ganzen 34 Kilometer: „So kann man die Situation, in der die Frauen waren, am ehesten nachempfinden", erklärte sie.

CAROLIN RIEMER

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Mit 32 Teilnehmern startete die Gedenkwanderung am Morgen in Barth. Nach achteinhalb Stunden trafen sie auf dem Ribnitzer Markt ein, um Blumen vor der Gedenktafel niederzulegen.

Foto: V. S.
 

(Hier zur kompletten Seite der Ostsee-Zeitung)

 

persönliche Bemerkungen zur "Gedenkwanderung"